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Die Evolution des Heidentums


In der letzten Zeit las ich des öfteren Texte darüber, dass eine Rückbesinnung zur Rekonstruktion der heidnischen Traditionen unmöglich sei. Dem kann ich nach reiflicher Überlegung nur Zustimmen und möchte diesbezüglich meine Gedanken mit Bezug auf das von mir/uns gelebte Asatru zu Papier bringen.

Viele Neuheiden finden heute zum Asatru, weil sie die Geschichten von Kriegerkult, Ehre und Heldentum ansprechen. Das sind scheinbar grundsätzliche Dinge die den Geist vieler Menschen berühren. Es tut gut sich einem Ideal zu verschreiben, unter dem man dann Mühen auf sich nehmen will. Wenn man aber diese Themen reflektiert, muss einem klar werden, das die Bilder die wir heute mit diesem Aspekt des Asatru verbinden, aus der Renaissance der Zeit des 19. Jhd. entstammen. Man suchte damals mitreißende Bilder um nationalistische Ideale zu erschaffen um die Menschen mitzureißen.

Wenn man einmal ganz ohne Archäologie oder generell Geschichtswissenschaft versucht sie die Zeit des 3. Jhd vorzustellen, dann denkt man an kleine Höfe auf denen Gemeinschaften lebten die täglich gegen die Natur kämpften. Jeder kräftige Mann/Frau der zupacken konnte war für das überleben der Gemeinschaft wichtig. Die Erfindung des Wergildes, deutet klar daraufhin, dass der Mensch eine kostbare Ressource war. Wenn Unrecht geschah, musste Wiedergutmachung in Form von Waren oder Arbeitskraft geleistet werden- Blutrache konnte man sich offenbar nicht leisten.

Unter diesem Kontext darf man sich jetzt fragen, wie wahrscheinlich es ist, dass eine Kriegerverehrung damals weit verbreitet war. Es mag sicher hier und da ähnliches gegeben haben, aber der Volksglauben hatte wahrscheinlich andere Ziele.

Heute leben wir in einer Zeit in der nur noch die allerwenigsten Menschen wirklich kämpfen müssen. Und ich denke in unsern Herzen sind wir alle dafür dankbar!
Insbesondere zeigt uns diese Ausführung, wie wenig wir uns auf das verlassen können, das uns scheinbar als roter Faden erscheint und uns mit unseren Vorfahren aus vorchristlicher Zeit verbindet. Ich für meinen Teil beziehe mich trotzdem gern auf die Götter und Geister die mir als schwaches Echo dieser Zeiten ans Ohr drangen. Aber ich gebe nicht allzuviel auf das, worin sie eingehüllt erscheinen. Quellen wie Edda und Saga können mein Unterbewusstsein berühren und das Stille dunkle Wasser dessen zum Brodeln bringen. Dann obliegt es aber mir/uns etwas aus diesem Wasser zu ziehen! Wir dürfen nicht den literarischen Mantel in dem die Mythen zu uns kommen mit dem verwechsel, was uns unser Unterbewusstsein zum Thema zu sagen hat! Dann laufen wir nur den Interesse mittelalterlicher Poeten und Politikern nach.

Richtiger erscheint es mir zunächst ein gefestigtes Bild dessen zu erschaffen, was mir jetzt und heute Wichtig ist. In meinem Fall ist das Weltoffenheit, Toleranz der Wille mit der Umwelt verträglich zusammen zu existieren. Wenn ich dann mein Unterbewusstsein durch alte Mythen in Schwingungen versetzen lasse, kann ich daraus ein emanzipiertes Asatru entstehen lassen. Ein Asatru das seine Wurzeln in dem hat, was die Menschen vor 1500 Jahren in diesen Breiten vielleicht gedacht haben aber in dem Kontext dessen, was mir/uns HEUTE wichtig ist! Und dann brauche ich auch nicht mehr über Inhalte der alten Quellen streiten, sondern kann mich darauf konzentrieren, ob mein gegenüber meine Gedanken vlt sogar nachvollziehen kann, bzw. ob seine Argumente stichhaltig sind und meine Interpretation der schwachen Signale meines Unterbewussten von mir richtig gedeutet wurden. Denn wenn man einmal ein Foto von sich vor 20 Jahren sieht, denken wahrscheinlich die Meisten, das würden sie so heute nicht mehr machen! Wir irren uns also öfter mal!

@ Daniel


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