Archive for August, 2009

Asatru- ein alter Glauben wird neu gelebt

Dienstag, August 18th, 2009

Spätestens seit den 1970er Jahren erlebt “Asatru” oder “Asentreu” und die damit mitziehende polytheistische Welle eine Renaissance in Mitteleuropa. Viele wenden sich vom Christentum ab, weil die Dogmen (Zwänge) und Vorstellungen des einzelnen Menschen nicht mit denen der christlichen Kirche übereinstimmen. Auch brechen manche einfach nur aus ihrem konservativ- religiösen Elternhaus aus, und suchen einen eigenen Weg- wobei dann “Asatru” nicht selten einfach nur als Sprungbrett oder erster weg zu einem anderen Glauben gebraucht wird. Andere wieder kommen aus atheistischen Familien, und suchen ihr Glück und heimatlichen Glauben in “Asatru” und möchten so ihren Mitmenschen zeigen, dass für sie der Glaube trotz der Zweifler von Außen sehr wichtig geworden ist.

Was macht “Asatru” aus- welche Differenzen gibt es zu anderen polytheistischen Glaubensrichtungen? Bei “Asatru” geht man davon aus, dass jeder Gott für sich steht- also jeder Gott seinen eigenen Charakter und Namen besitzt. Im Gegensatz zum Buddhismus z.B., wo ein Gott drei Charaktere haben kann, ist Odin genauso ein existierender Gott wie Freya oder Thor.

Man spricht also nicht von einem Gott mit vielen “Gesichtern” sondern von viele in Göttern mit eigenen Charakteren, die gut und negativ interpretiert werden können, jedoch immer für sich selber stehen.
Darum ist es auch wichtig zu sagen, an wen man die Bitte oder den Dank im Blot sendet, denn diese soll ja erfüllt werden. Wenn man nur die Bitte oder den Dank ausspricht, ohne den Empfänger zu nennen, der sich dieser Sache annehmen soll, dann verpufft der Satz zwischen dem Mund und dem Feuer.

Natürlich hat auch Asatru einen “Gott aller Götter”, jedoch kam dies erst im Laufe
der Zeit. Der Erschaffer der Welt ist mit unter, Odin, jedoch haben auch Loki und Heimdall ihre Daseinsberechtigung! Es ist also sehr wichtig zu sagen, dass Polytheismus ganz anders zu betrachten und zu behandeln ist als Monotheismus!

Kurz gesagt, hat Monotheismus mit Polytheismus herzlich wenig zu tun, außer dass beide eine Glaubensform sind.

Die Sache mit dem Bitten:

Viele „Asatrus“ behaupten ja, dass die Götter nur da wären wenn es einem gut geht. Sie sagen, wenn es einem schlecht geht, solle man sich selber helfen, dass würde von einem erwartet. Das sehe ich gerade nicht so! Was würde mir ein Gott oder gar meine Götter bringen, wenn sie nur zum Party machen und freudigen Begegnungen da wären? Götter helfen, intrigieren, zerstören, bauen auf, zerschlagen, enden und fangen wieder von vorne an.

Natürlich sollte man sich sicher sein, in welchen Fällen man sich selber helfen kann, und nicht in die Versuchung kommt, die Hände in den Schoß zu legen. Jedoch gibt es Probleme, die man selber nicht lösen kann, oder für die man einen Denkansatz braucht, den man selber nicht finden kann.

Da ist es hilfreich den Rat der Götter zu erfragen. Und sie helfen auch dem Suchenden, nicht nur dem der “alles weiß”- dieser neigt dazu verspottet zu werden, weil er denkt, er kenne die Welten. Götter sind durchaus dazu bereit zu helfen- man muss sie nur fragen und bitten.

Ich lehne es ab, zu behaupten, dass Asatru nur was für starke Männer ist.

Ich selber habe Momente erlebt, in denen ich einen meiner Götter um Rat fragte, und ich stieß nicht auf verschlossene Tore. Der Gott dem die Bitte galt, half mir und ich dankte ihm gebührend.

Man sollte nie vergessen- Gabe will stets Vergeltung!

@Lupo

Die heidnisch-germanische Ehe

Dienstag, August 18th, 2009

Wenn man sich “heidnisch-germanisch trauen” will, muss man zunächst natürlich wissen was unsere germanischen Vorfahren darunter verstanden. Mit diesem Wissen kann man dann die Ehe auf unsere Zeit anpassen. Natürlich kann man die Ehe auch nach den historischen Vorlagen leben, doch dies erfordert eine grundsätzliche Änderung der Ansichten über Familie und Haushalt- und über Gleichberechtigung. Um dies zu untermauern zitiere ich hier zunächst Hannsferdinand Döblers “Die Germanen, Legende und Wirklichkeit von A-Z”. Dieses Buch ist in Erstauflage 1975 erschienen und daher an einigen Stellen überholt. Im allgemeinen versteht es sich aber darin, Spekulation und historische “Fakten” deutlich zu trennen. Und da Döbler über die Ehe eine kompakte Darstellung zur Verfügung stellt, will ich diese im Original zum Grundgerüst zitieren:

“Es gab im frühen Germanentum keinen besonderen Namen für den Ehegatten, die Ehefrau, wie auch nicht die Familie im heutigen Sinn als >Urzelle der Gemeinschaft< aufgefasst wurde, sondern das Haus mit seinem Hausgesinde. Das Wort Gatte ist erst seit Ende des Mittelalters in Gebrauch, der Begriff Familie im heutigen Sinn erst seit rund 200 Jahren.

So sind die Worte, mit denen denen man die eigene Frau benannte, aus dem Wortstamm des Gesindes abgeleitet: hiwo= Ehemann und hiwa= Ehefrau sind verwandt mit hjon= Hausleute, Gesinde. Ein anderes ebenso gebräuchliches Wort gimahhidi bedeutet Genosse und meint erst im übertragenen Sinne den Gatten.

Das Verhältnis zwischen dem Mann und seiner Ehefrau war rechtlich ein sogenanntes Gewaltverhältnis, bestimmt durch die munt- der Mann haftete für die Frau wie heute ein Elternpaar für sein Kind. Das Haus war, im Gegensatz zur genossenschaftlichen Sippe, streng hierarchisch gegliedert:der Munt des Herrn (ahd. frô= Herr) unterstanden Ehefrau, Kinder und freies Gesinde, während dem gewere, dem Sachrecht, alle Unfreien unterworfen waren.

Über die Frau erwarb der Mann die Munt von ihrem Muntwalt, also ihrem Vater oder dem Oberhaupt des Hauses, in dem sie lebte, und zwar durch einen Sippenvertrag. Sobald die Ehe rechtskräftig war, wurde die Frau nach außen von ihrem Mann vertreten. Im Inneren des Hauses besaß sie hingegen Schlüsselgewalt; die frouwa ist also, abgeleitet von frô, zum Herrn die Herrin.

Über den sittlichen Inhalt des Zusammenlebens bei germanischen Eheleuten ist dabei freilich wenig gesagt. Ehebruch konnte von Seiten der Frau begangen werden, der Mann konnte die Frau erschlagen oder verstoßen, ohne büßen zu müssen, auch hatte er dadurch die Möglichkeit, sich mehrere Frauen zu halten, wenn seine Mittel dies erlaubten. Auch die germanischen Verhältnisse waren streng Vaterrechtlich, das heißt auf den Mann abgestellt.

Tacitus hat das mit dem verklärten Blick des konservativen Politikers geschildert, dem die Freizügigkeit in der Metropole Rom ein Gräuel und die alten strengen Sitten zum Ideal geworden waren. So sagt er, die Germanen seinen fast die >>einzigen unter den Fremdvölkern, die sich nur mit einer Gattin begnügten<<. Er berichtet, dass der Mann Rinder, Schild, Frama (Waffen) und etwa ein aufgezäumtes Pferd mit in die Ehe bringe, sehr nüchterne Geschenke also,die im gleichen Geist beantwortet würden: sie schenkte ihm irgendeine Waffe; >>das gilt ihnen als stärkste Bindung, das als geheimnisvolle Weihe, das als göttlicher Schutz für die Ehe<< (Lindauer). Das stolze Bild einer Frau, die mit ihrem Gatten im Frieden wie im Krieg dasselbe Schicksal zu tragen und zu wagen bereit sei, stammt also von Tacitus. Diese Ehe hat nach Tacitus zwar einen deutlich auf Krieg bezogenen Akzent, aber die oft geschilderte Tapferkeit und Wildheit der germanischen Frauen auf den Wagenburgen ist kein Stammeserbe, sondern findet sich bei Naturvölkern häufig, wenn diese um die nackte Existenz kämpfen. wie sehr Tacitus die Verhältnisse dieses >Naturvolkes< an den römischen Verhältnissen misst, zeigen die folgenden Zeilen über die germanischen Frauen: >>Sie lebten darum in umhegter Keuschheit, durch keine lockere Schaustellung Schaustellung und durch keine aufreizende Gelage verführt. Heimlicher Briefwechsel ist Männer wie Frauen gleich unbekannt<< (Lindauer)

Tacitus schildert dann, dass die Ehebrecherin mit abgeschnittenen Haaren entblößt aus dem Haus gejagt und durch das ganze Dorf getrieben wurde, und er sagt: >>Für die Preisgabe der Keuschheit gibt es nämlich keine Verzeihung; trotz Schönheit, trotz Jugend, trotz Reichtum wird sie keinen Mann mehr finden. Denn dort lächelt niemand über Laster, und verführen und sich verführen lassen heißt man nicht >zeitgemäßes Denken< <<.

Soweit Tacitus, der die Dinge stilisiert. Tatsächlich ist die Ehe überall dort, wo es Sippenverträge und Brautkauf gab, in Gefahr gewesen, die Verhältnisse zwischen den Geschlechtern einseitig zu verschieben, weil materielle Interessen auf dem Spiele standen. Auch die germanische Ehe, oft genug von Deutschtümlern hoch gepriesen, ist im wesentlichen erklärbar aus den ökonomischen Bedingungen jener Kulturstufe, auf der sich auch die germanischen halbnomadischen Bauernstämme befanden.”

Döbler zeichnet hier ein sehr pragmatisches Bild der Ehe, welches recht gut zu dem Bild der Germanen passen will, wie ich sie mir vorstelle: Pragmaten. Das Leben war hart und man musste sich aller “erkämpfen”. Damit ist allerdings weniger Krieg gemeint, als die Probleme der Landwirtschaft. Wobei Raubzüge auch zu den Problemen jeder Zeit gehört haben werden.

Doch was kann man nun für die Ehe heute daraus gewinnen. Der Begriff der Munt scheint ein wesentlicher gewesen zu sein. Allerdings muss er in seinem Inhalt etwas angepasst werden. Heute geht es nicht mehr um Haus, Hof und Gesinde. Heute geht es um ein Versprechen- eine Pflicht gegenüber der Ehefrau und der vorhandenen Kindern. Ein Versprechen, das auch die Frau in die Pflicht nimmt dies zu Vergelten. Dabei kann allerdings nicht die Aufgabe der Freiheit und der Mündigkeit Gegenstand sein.
Treue spielt nach wie vor bei den meisten Paaren eine große Rolle, aber auf beiden Seiten. Dies wäre wohl ein möglicher Bestandteil. Finanzielle Absicherung ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt- damals, wie heute. Der Mann verpflichtet sich durch die Munt für seine Frau und Kinder zu sorgen. Dies bedeutet nicht immer den leichteren Weg zu gehen, sondern die Richtung der Sicherheit einzuschlagen. Wie weit das geht, muss von den Eheleuten vor der Eheschließung beschlossen werden. In Moderner Zeit kann natürlich die finanzielle Sicherung auch durch die Frau geschehen.

Zum Ritual selbst ist zu sagen, das es sich im Gegensatz zur Christlichen Ehe nicht um ein “heiliges Bündnis” handelt und in Folge dessen, auch die Götter dabei eine andere Rolle spielen, als bei einer christlich-muslimischer Eheschließung. Die germanische Ehe ist ein von Menschen geschlossener Vertrag, der in Form eines heiligen Eides abgelegt wird. Die Primäre Gottheit wäre daher dabei Tyr. Da es sich um eine Eheschließung handelt, wäre sicher Frigga angebracht, da sie die Schirmherrin der Ehe und des Haushaltes ist. Die Munt sollte dabei im Mittelpunkt stehen und zum Zeitpunkt der Eheschließung ausformuliert sein. So kann man im Ritual den Eid auf die Erfüllung der Munt ablegen, ohne sie im Detail vortragen zu müssen. Für Fruchtbarkeit wurde in Skandinavien der Braut Thors Hammer symbolisch in den Schoß gelegt, der sie segnen sollte. Nach Döbler war eine Waffe als Geschenk an den Mann üblich- ob Frau das umsetzen will, ist wieder Geschmackssache. Austauschen von Ringen, Armreifen oder Ähnlichem ist aber sicher auch eine zeitgemäße, schön empfundene Geste, an der durchaus festgehalten werden kann. Der Schmuck kann als “materielles Symbol” für den Eid auf die Munt gesehen werden.

Im Abschluss muss man das sagen, was Heiden immer wieder sagen. Es ist jedem Paar überlassen, wie sie Munt und Ehe umsetzen und für sich formulieren wollen- also individuell anzupassen.
@Daniel

Glauben im Alltag

Dienstag, August 18th, 2009

Eine Frage die einem häufig gestellt wird: wie lebst du deinen Glauben als Heide? Ebenso oft stellte ich mir diese Frage selbst und bin zu einem einfachem Schluss gekommen. Asatru ist meiner Meinung nach eine einfache Religion- eine Religion des Menschen in seinem Alltagsleben. Wie könnte man also Asatru besser in den Alltag bringen, als durch Alltagsbeschäftigungen? Ein einfaches Beispiel ist die Küche. Ein Ort der heute für viele zur Folterkammer der Routine verkommen ist. Einst aber war er zentraler Punkt im Haushalt. Gutes Essen und gute Unterhaltung war einst kostbar- heute ist das alles in Dosen verpackt. Sowohl das Essen als auch die Konversation… Nun ist es aber auch bei mir so, das meine Küche klein ist und das Leben in Wohnzimmer stattfindet. Aber muss mich das hindern die Küche gut zu benutzen. Für seine Lieben ein gutes Mahl aus natürlichen Zutaten zu bereiten kann einem so viel Freude bringen, wenn diese lernen dies auch wieder zu schätzen. Und wie könnte man Frigga näher sein, als bei der Pflege des heimischen Herdes? Und es macht wirklich glücklich mitten im Sommer einmal sonnengelbe Kekse zu zaubern. Ersetzt einfach etwas Zucker durch Honig und verzichtet auf die schweren Weihnachtsgewürze, dann kommt einem das auch nicht mehr so seltsam vor (Plätzchen backen ist ja für viele ein strikt weihnachtliches Ritual). Wenn man dies nun ausweitet dann findet man tausende Wege im Alltag zu seinen Göttern. Sei es Handwerk oder Gartenarbeit. Jeder kann da etwas für sich finden. Wer hat heute schon ein Kleidungsstück für sich selbst angefertigt? Früher normale Hausarbeit, heute höchstens noch ein Hobby, aber eines das einen den Göttern nahe bringt. Wenn man also ein bisschen aktiv wird, findet man leicht Dinge, bei denen man sich den Göttern näher fühlen kann, und somit den Glauben in den Alltag transportiert.
@Daniel

Wikinger- und Slavenmarkt in Wolin

Mittwoch, August 12th, 2009

Am 29.07.2009 machten sich Lupo, seine Freundin Nadine und ich uns mit der Bahn auf nach Norden. Mit dem Ostesee-Ticket ging das für günstige 40€, die mir die Asahood zum Geburtstag geschenkt hatte. So erreichten wir drei guter Laune am Freitagabend Heringsdorf auf Usedom. Dort kamen wir bei Lupos Mutter unter- in einer hübschen kleinen Villa. Am Samstag machten wir uns dann um 10.00 Uhr auf nach Wolin. Dank einer polnischen Bekannten hatten wir keine Probleme mit dem Zugticketkauf in Polen und somit errreichten wir Wolin problemlos. Nach ein paar Minuten Fußmarsch erreichten wir schließlich den “Festplatz” vor der Museusinsel mit dem historischen Teil des Markts darauf. Positiv bemerkten wir hier schon, das der “Rummel-Teil” gut vom historischen Markt getrennt war. Über eine Militärbrücke kamen wir schließlich zum interessanten Teil des Marktes. Und ich kann nur sagen: es war sehr beeindruckend. Es war ein recht großer Markt dessen Schwerpunkt klar auf historischem Handwerk lag. Es gab nur zwei Futterstände, von denen einer historisch aufgemacht war und sich perfekt ins Bild einpasste. Überall brannten kleine Feuer was bemerkenswert war, da es dort rekonstruierte Häuser mit Reetdächern gab (in heimischen Anlagen nahezu undenkbar- Feuergefahr). Besonders bemerkenswert war die Stimmung: überall liefen gewandete Männer und Frauen herum- und neben den Gerüchen nach Feuer, Leder und anderem “Handwerksduft” kam ein ebenso buntes Sprachgewirr fremder Sprachen hinzu. Man bekam einen guten Eindruck wie es einem Reisenden vor 1000 Jahren ergangen sein musste. Kaum einer sprach deutsch- slavische Sprachen hatten die Vorherrschaft und gefeilscht wurde meist in Englisch. All das trug dazu bei, das es neben preisgünstigen Einkäufen auch ein unvergessliches Erlebnis wurde. Auf dem Heimweg fühlte man sich wie einst die germanischen und slavischen Menschen, die weit gereist waren, um ihre Einkäufe zu machen oder ihre Waren anzubieten. Unterstützt wurde das noch durch die Kleinode, die wir in Wolin erworben hatten. Von Borten bis zum Wildschweinfell war einiges dabei und manches Teil hatte seinen eigenen Geruch, der uns noch lange an diesen wirklich schönen Tag erinnern wird. Am Sonntag ließen wir dieses schöne Wochenende mit ruhigen Spaziergängen am Meer ausklingen und reisten dann wieder mit dem Zug nach Hause…
@Daniel