Archive for November, 2010

Mein Glaube

Montag, November 29th, 2010

DIE GÖTTER

Meine Freundin ist Agnostikerin und so kamen in den letzten Jahren immer wieder „religiöse“ Gespräche zustande, in denen sie genau wissen wollte wie ich mir das alles vorstelle. Zuletzt hatten wir beim Sonntagsfrühstück eine Diskussion zum Thema Tod und wie es danach weiter geht.

All diese Unterhaltungen haben mich zum Denken angeregt und da es langsam eine ganze Menge ist kam in mir der Wunsch auf das alles einmal niederzuschreiben. Im Folgenden möchte ich also einen Versuch starten, MEINE Vorstellung und meinen Glauben über den Aufbau der Welt in Worte zu fassen:

Im Herzen bin ich auch Naturwissenschaftler. Es wird also immer etwas Logik mitschwingen- zur Warnung.
Meine Welt wird nicht von einem Gott oder Göttern gelenkt. Doch da sind wir schon recht weit… Was verstehe ich denn unter einem Gott? Ich glaube dass es, ähnlich wie in der Theorie der Physik, verschiedene Dimensionen gibt. Eine davon ist die Unsrige. Alles Physikalische also. Eine weitere ist die spirituelle Welt, wie ich sie in Ermangelung eines besseren Begriffes nenne. In dieser existieren die Götter. Wir Menschen haben irgendwann in unserer Evolution das Hamingja entwickelt. Diesen Begriff entlehne ich aus der nordischen Mythologie wo er den Teil unseres Seins beschreibt der mit unserem Wyrd in Kontakt steht. Hamingja wird in einigen Büchern mit „Schutzgeist“ übersetzt, was ich auch irgendwie treffend finde. Für mich ist das Hamingja die Antenne in die Spirituelle Welt. Sie ermöglicht uns die Kommunikation mit den Göttern und beherbergt unsere „Seele“. Es ist der Teil von uns den wir den Tieren voraus haben. Dies sage ich ganz ohne Wertung, es ist einfach evolutionäres Glück gewesen, wie unsere Daumen. Unser Hamingja kam also irgendwann dazu und verwirrt uns seit dem immer noch. Es ist ein Teil in uns mit dem wir nichts anfangen können, weil er sich unserer Erfahrungswelt in dieser Dimension gänzlich entzieht. Dennoch spüren ihn viele Menschen deutlich und haben das Bedürfnis ihn zu nutzen. Das Bedürfnis zur Religion war geboren, das viele Menschen seit tausenden von Jahren empfinden. Die Verbindung zum Tod liegt dabei auf der Hand. Auch der Tod ist etwas das uns gänzlich unbekannt und unvorstellbar ist und daher fällt es leicht diese beiden unbekannten Komponenten miteinander zu verbinden.
Wir „wissen“ nun also wo die Götter existieren und womit wir mit ihnen in Kontakt kommen können. Wie das Reich der Götter aussieht können wir uns nun weder vorstellen noch beschreiben. Man kann nicht erleuchtet werden und es blicken. Es ist so, als wolle man Radiowellen beschreiben, ohne Wasser zu kennen. Wir haben einfach kein ähnliches Gegenstück in unserer Welt dafür und wir können nur Dinge beschreiben, von denen wir ein existierendes Gegenstück in unserer Welt haben. Die Götter existieren also auf einer Ebene die wir nicht erfassen können. Daher wurden in den vielen Religionen so verschiedene Beschreibungen entwickelt. Ob es nur einer ist oder mehrere wage ich nicht zu entscheiden. Aber es ist wahrscheinlicher (wieder der Physiker) dass in einer ganzen Dimension mehr als ein Wesen existiert. Jeder Volksgruppe hat nun aus ihrer Erfahrungswelt, also ihrer natürlichen Umgebung, eine Vorstellung entwickelt, wie die Götter sind. Wieder sage ich, ich weiß nicht ob alle Götterwesen verschieden sind oder die selben Götter von den Menschen nur verschiedene Namen erhalten haben. Das spielt aber eigentlich auch keine Rolle. Die Götter sind da und wir können mit ihnen in Kontakt treten. Doch was vermögen sie zu tun? Ich meine einiges aber bei weitem nicht alles. Ein allmächtiger Gott ist eine nette Phantasie, mit der sich leicht die Last des Alltages vor 1000 Jahren ertragen lässt. Götter die Sünde bestrafen sind ein nettes Werkzeug, Menschen unter Kontrolle zu halten, denn Gott sieht alles! Doch was können Götter wirklich? Können sie zu uns sprechen, das Wetter beeinflussen? Über unser Hamingja können Götter auf uns einwirken. In wie weit das hängt davon ab, was wir ihnen erlauben. Denn es ist wie bei so vielen Dingen im Leben. Es funktioniert nur wenn wir unseren physischen Verstand ausschalten und unsere Gedanken zum schweigen bringen. Diese Erkenntnis hat wohl irgendwann auch die großen Religionen ereilt, denn nicht umsonst ist diese Technik in fernöstlichen Philosophien Standard. Und selbst die Christen haben dies mit ihren Mönchen in Klöstern umgesetzt. So kann man also von einem Gott erfüllt werden und der Gott kann so durch einen sprechen.
Direkte Einwirkung auf die physische Welt halte ich aber für eher unwahrscheinlich. Aber was können sie denn nun noch, das ein Beten und Opfern sich lohnt? Ich glaube die Götter können das Örlog beeinflussen, welches eng mit unserem Wyrd zusammen hängt. Bevor wir aber diese Begriffe erörtern, müssen wir zunächst klären wie die Welt funktioniert…

DAS SCHICKSAL

Wonach funktioniert denn nun die Welt? Die zehn Gebote, neun noble Tugenden,das Gesetz des Stärkeren? Ich meine von allem etwas. Die germanischen Menschen bezeichneten diese Ströme als Runen. Die runischen Ströme regeln den Fluss des Örlog. Örlog? Schon wieder dieses komische Wort! Das Örlog ist der Strom des Geschehens aller Dinge in allen Welten. Es ist das was dem Begriff des Schicksals am nächsten kommt. Man kann sich aber das ganze als breiten Fluss vorstellen in dem wir alle schwimmen. Aber wir sind kein Plankton, sondern können etwas paddelt und so in gewissen Rahmen unsere Schwimmrichtung bestimmen. Man sieht hier wieder eindrucksvoll, wie ich eine ähnliche Entsprechung unserer Welt für ein übergreifendes Prinzip verwende. Aber weiter im Text. Ich erwähnte oben noch den Begriff des Wyrd. Das Wyrd ist eine kleine Strömung im Örlog die wir bewusst oder unbewusst erzeugen. Es erlaubt uns also gewissermaßen zu paddeln. Unsere Position im Örlog geben wir meiner Vorstellung nach an unsere Ahnen weiter. So ist diese Position durch alle unsere Vorfahren entstanden und geprägt. Wir sind also heute, so wie sie es auch waren, am Leben unserer Ahnen beteiligt. Doch dazu später mehr. Wie weit wir im Strom des Örlog kommen beeinflusst nun auch unser Verhalten. Wenn wir uns mit den runischen Kräften bewegen geht es leichter und wir kommen weiter. Dies gilt auch für die Götter, weswegen im Mythos Odin sich mit den Runen vertraut machte. Tiefer in die Thematik der Runen einzudringen überlasse ich lieber anderer Literatur, es gibt einige gute Bücher darüber und auch nur ein kleiner Umriss würde den Rahmen eines so kleinen Artikels sprengen.

DER TOD UND DIE AHNEN

Ich erwähnte bereits, das wir unsere Position im Örlog an unsere Ahnen weitergeben. Doch was passiert den nun wenn wir sterben. Wenn man sich in den Weltanschauungen umsieht erkennt man einen Konsens bei den Meisten: wir gehen in die spirituelle Welt über. Ich glaube es gibt ein Teil dieser spirituellen Welt den unsere Ahnen Hel nannten, in den ein großer Teil unseres spirituellen Seins eingeht. Das Ganze stelle ich mir ähnlich dem Gaya-Prinzip vor. Individuelle Grenzen geben wir auf und werden zu einem großen, angenehmen Ganzen. Eine Existenz in Frieden und Entspannung. Das was die Christen wohl Himmel nennen. Einen Teil unserer Selbst geben wir allerdings schon dann ab, wenn wir einen Nachkommen zeugen oder erwählen. Unsere Kinder erhalten etwas aus unserem Hamingja in das ihre und wenn wir sterben dann zieht ein Teil unserer Seele in das Hamingja unserer Nachkommen, in dem wir bis ans Ende der Tage existieren. Somit können wir über unser Hamingja mit unseren Ahnen kommunizieren. Ein Grund für den Ahnenkult, den viele Religionen betrieben und auch wir betreiben. Wie schon oben erwähnt besitzen Tiere kein Hamingja und gehen somit auch nicht in Hels reich ein. Wieder will ich betonen das dies kein Abwertung von Tieren bedeutet, sondern lediglich eine Beschreibung meiner Ansichten ist. Die meisten Tiere haben auch keine Stimme, oder wie schon oben erwähnt keinen Daumen. Dennoch sind die meisten fühlende Wesen und müssen auch als solche behandelt werden!

DAS BLOT

Das Blot ist eine Opferhandlung die wir Asatrus zur Kommunikation mit den Göttern betreiben. Beim Blot versetzen wir uns mit bestimmten Ritualen in Stimmungen die wir über unser Hamingja zu den Göttern weitergeben. Im Opfer schwingt dann immer ein gewisses Interesse mit welches an einen gewissen Einsatz gebunden ist, den wir dafür erbracht haben. Dieser Einsatz ist es den die Götter erfahren und belohnen indem sie wohlwollen auf unser Örlog Einfluss nehmen. Doch warum sollten sie das tun? Ich denke sie empfinden den Kontakt mit unserer Welt und uns als Menschen als angenehm und je mehr positive Energie sie von uns erhalten, desto mehr sind sie bereit uns zurück zu geben. Platt gesagt ist das ganze Entertainment für die Götter. Sie brauchen das und uns nicht, aber sie mögen es. Deswegen sind die Götter auch noch da- über tausend Jahre hat kaum jemand Odin angebetet und dennoch ist er heute so präsent wie damals! Ein Blot ist also ein geben und nehmen, so wie alles in der Welt. Wie sagt Lupo immer so treffend: Gabe will stets Gegengabe!

Daniel

ein Ahnenfest

Montag, November 22nd, 2010

Gestern war der Novembervollmond. In Anbetracht der zunehmenden Dunkelheit kam Lupo der Gedanke an diesem Tag ein Ahnenfest zu begehen. Also trafen wir beide uns gestern am frühen Nachmittag und machten einen gemütlichen Spaziergang durch den Tegeler Forst. Wir unterhielten uns gut und stellten fest, dass der Tag aufgrund dieses Treffens insgesamt für uns im Sinne der Ahnen verlaufen war. Gedanken waren viel um sie gekreist und dies führte zu einer gewissen Verbundenheit. So erreichten wir bei schönsten Herbstwetter eine nette Stelle am See an der wir eine Kerze im Andenken entzündeten und im Anschluss opferten wir den Ahnen noch etwas süßes, teils selbst gebackenes. Dabei ging langsam die Sonne unter und der Mond auf. Der Besuch eines freifliegenden Kolkraben gab uns ein weiteres Highlight und so gingen wir etwas frierend aber Selig in Richtung Heimat.
novembermond

Uns ist klar das es sich bei Novembermond (Namen hab ich grad erfunden) also beim Ahnenfest zu Novembermond (Vollmond) um kein traditionelles Fest handelt. Es ist vielmehr eine intuitive Entwicklung aus unserem gelebten Glauben. Und wir finden dies hat mindesten genausoviel Legitimation wie eine verstaubte Textquelle- wir machen ja kein Glaubensreenactment sondern leben eine alte Religion…

Daniel